Gil Eannes

Seit den Zeiten Dom Dinis ist Stockfisch – getrockneter und gesalzener Kabeljau – eine der Hauptzutaten in der portugiesischen Küche. Bis in das 19. Jahrhundert wurde das Meiste davon importiert. Im späten 19. Jahrhundert begannen portugiesische Fischer jedoch ebenfalls vor Neufundland nach Kabeljau zu fischen. Bis dahin beschränkte sich der portugiesische Fischfang auf die Küstengewässer des eigenen Landes. Die meisten dieser Kabeljaufänger waren über 6 Monate in arktischen Gewässern unterwegs. Die Versorgung mit frischen Lebensmitteln war schwierig und medizinische Unterstützung existierte nicht.

Um das harte Leben dieser Fischer etwas zu verbessern wurde Anfang des 20. Jahrhhunderts ein Schiff ausgerüstet, das die Fischerboote mit Nahrungsmitteln versorgen konnte, Güter, Post und Passagiere transportieren konnte und medizinische Hilfe bereitstellen konnte. Der ehemals deutsche Frachter „Lahneck“, der als Reparationszahlung nach dem ersten Weltkrieg unter portugiesische Flagge kam, wurde für arktische Gewässer umgerüstet und unter dem Namen „Gil Eannes“ in Dienst gestellt. Der Namensgeber, Gil Eannes, war ein portugiesischer Abenteurer im 15. Jahrhundert, dem es als ersten gelang, das berüchtigte Kap Bojador zu umrunden, das als eines der gefährlichsten Punkte bei der Umrundung Afrikas galt.

Nach dem zweiten Weltkrieg sollte die Gil Eannes durch ein neues, moderneres Schiff ersetzt werden. Das heute in Viana do Castelo am Dock liegende Schiff wurde daher Anfang der 50er Jahre in Auftrag gegeben.

Es wurde speziell als Versorgungs- und Krankenhausschiff für die Weiße Flotte der Kabeljaufischer konstruiert. Mit einem Bruttoregistergewicht von 2274 Tonnen, einer Länge von fast 100m und einer Breite von fast 14m, bot es Platz für eine Besatzung von 72 Personen, für 6 Passagiere und für 74 Patienten. Es besaß OP-Säle genauso wie große Kühlräume um frische Nahrungsmittel zu den Fischerbooten zu bringen.

Während seiner Dienstzeit transportierte das Schiff Fischer zu ihrer Arbeit auf den Fischerbooten und wieder nach Hause, leistete medizinische Hilfe, diente als Eisbrecher für eingeschlossene kleinere Schiffe und versorgte die Fischer mit Post. Aus seinen Kühlräumen wurden die Fischerboote mit frischen Lebensmitteln. Und es diente als Verwaltungsschiff für die weiße Flotte.

1973 machte es seine letzte Fahrt in die arktischen Gewässer vor Neufundland. Vier Jahre später wurde es außer Dienst gestellt und stand kurz vor seiner Verschrottung. Dank einer Initative der Einwohner Viana do Castelos wurde es vor diesem Schicksal jedoch verschont. Nach über zwanzig Jahren Ruhe wurde es 1998 als Museumsschiff im Hafen Viana do Castelos wieder eröffnet. Heute befindet sich an Bord des Schiffes ein Museum für die Stockfischflotte und die Geschichte des Schiffes selber.

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